Liblar: 133 Millionen Euro für das CEIN – TH Köln baut Forschungszentrum in Erftstadt
Stand: 4. November 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
133 Millionen Euro für das CEIN in Liblar: Erftstadt wird zum Forschungsstandort für Klimaresilienz.
Die Details
- ›Förderbescheid über rund 133 Millionen Euro, übergeben am 2. November 2026 von Wissenschaftsministerin Ina Brandes
- ›Standort: rund 27.700 Quadratmeter an der K44, unweit des Liblarer Bahnhofs
- ›Erster Bauabschnitt soll bis 2029 fertig sein, 2026 startet zunächst ein temporäres Pop-up-Gebäude
Es ist der größte Förderbescheid, den Erftstadt je bekommen hat: Am 2. November hat NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes der TH Köln rund 133 Millionen Euro für das Center for Innovation with Nature übergeben. Das CEIN entsteht in Liblar, an der K44 unweit des Bahnhofs. Aus einem Acker am Ortsrand wird in den kommenden Jahren ein Forschungszentrum, in dem es um Klimafolgen, Wasser, Boden und zukunftsfähige Infrastruktur geht.
Was in Liblar gebaut wird
Das Areal umfasst nach Angaben der TH Köln rund 27.700 Quadratmeter. Auf dieser Fläche soll ein Gebäude entstehen, das selbst zum Forschungsobjekt wird: klimaneutral und energiepositiv, gebaut aus Holz, Naturstein und Ziegeln. Auch die Außenanlagen sind Teil des Konzepts. Wasserbezogene Systeme, klimaresiliente Landschaftsstrukturen und Biodiversität sollen dort als zusammenhängendes System sichtbar und begehbar werden.
Geplant sind flexibel nutzbare Räume für Forschung und Projektarbeit, offene Begegnungsbereiche, Werkstätten für co-kreative Formate sowie Flächen für Veranstaltungen und Ausstellungen. Dazu kommen größere Versuchsaufbauten, an denen sich Techniken im Freien testen lassen.
Die drei großen Themen
Inhaltlich konzentriert sich das Zentrum auf drei Felder. Erstens Klimaresilienz und Naturgefahrenvorsorge: Wie schützen sich Städte vor Hitze, Starkregen und Trockenheit? Dazu gehören Gründächer, beschattete Plätze und renaturierte Flussläufe.
Zweitens die nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Es geht um Wasser, Boden und Fläche, also um die Frage, wie sich Flächen mehrfach nutzen lassen, ohne dass Landwirtschaft, Naturschutz und Siedlung gegeneinander ausgespielt werden.
Drittens zukunftsfähige Infrastrukturen: Energieversorgung, Wasser- und Abwassernetze, Verkehrswege. Alles Systeme, die extreme Wetterlagen an ihre Grenzen bringen und die in Liblar unter realen Bedingungen erprobt werden sollen.
Wie es weitergeht
Der Zeitplan ist ambitioniert. Noch 2026 soll am künftigen Standort ein temporäres Pop-up-Gebäude aus recycelten Materialien entstehen, damit das Team vor Ort präsent ist und erste Projekte starten kann. Der Förderbescheid schafft dafür jetzt die Grundlage. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für 2029 vorgesehen.
Das Geld stammt aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen und wird gemeinsam von Bund und Land Nordrhein-Westfalen getragen. Nach Angaben des Stadtentwicklungsbetriebs liegt das gesamte Fördervolumen für das Modellprojekt bei rund 175 Millionen Euro. Der TH Köln steht dafür ein knapp 2,8 Hektar großes Areal zur Verfügung, das im Juni 2026 vertraglich gesichert wurde. RWE Power stellte den Großteil der Flächen.
Rund um das Forschungszentrum soll außerdem ein etwa sechs Hektar großer Innovationspark für Start-ups und Technologieunternehmen entstehen.
Was das für Erftstadt bedeutet
Bürgermeisterin Carolin Weitzel nennt das Projekt das größte identitätsstiftende Einzelprojekt der Stadtgeschichte. Wichtig ist ihr, dass keine abgeschlossene Forschungsinsel entsteht: „Hier soll kein abgeschlossener Studienstandort entstehen, sondern ein offener Ort des Austauschs und der Begegnung.“ Schulen und Bürger sollen über Citizen-Science-Projekte eingebunden werden.
Das CEIN ist Teil einer größeren Entwicklung im Süden Liblars. In der Nachbarschaft entsteht der Ville Campus mit der Hochschule des Bundes, daneben der Innovationspark, später neue Wohnangebote und eine bessere Anbindung an den Bahnhof. Landrat Frank Rock erwartet, dass aus der Forschung neue Geschäftsideen und qualifizierte Arbeitsplätze für die ganze Region entstehen. Für Erftstadt heißt das: In den nächsten Jahren wird sich der Süden Liblars sichtbar verändern.
Quellen: Stadt Erftstadt, „Grünes Licht für das CEIN“ (Mitteilung vom 2. November 2026); TH Köln, Pressemitteilung 37/2026 vom 2. November 2026 sowie Projektseite Center for Innovation with Nature; Stadtentwicklungsbetrieb Erftstadt, „Verträge unter Dach und Fach“ (Mitteilung vom 19. Juni 2026); Region Köln/Bonn e.V., Projektvorstellung vom 21. August 2025. Abruf: 4. November 2026.



