Warum soll Hocken auf dem Klo besser sein?
WissenQuelle: Redaktion erftstadt.today

Warum soll Hocken auf dem Klo besser sein?

Stand: 4. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden

Irgendwann bekommt fast jeder den Tipp, die Füße auf einen Hocker zu stellen, wenn es auf der Toilette zäh läuft. Hinter dem Rat steckt ein Muskel mit dem Namen Musculus puborectalis.

Der Muskel, der abknickt

Dieser Muskel umschlingt den Enddarm und knickt ihn ab, damit nichts ungewollt entweicht. Im Sitzen bleibt der Knick stärker erhalten, im Hocken streckt er sich eher. Gemessen hat das 2010 ein japanisches Team mit Röntgenaufnahmen bei nur sechs gesunden Freiwilligen. Der Winkel zwischen Enddarm und Analkanal betrug beim Hocken 126 Grad, im normalen Sitzen 100 Grad. Auch der Druck im Bauchraum vor dem Stuhlgang war im Hocken niedriger, er lag bei 26 Zentimetern Wassersäule.

In einer dritten Position beugten die Freiwilligen im Sitzen nur die Hüfte stärker. Der Winkel blieb bei 99 Grad. Das spricht dafür, dass erst die tiefe Hockstellung ihn öffnet, doch bei sechs Personen bleibt das vorläufig.

Zwei Studien aus dem Alltag

2003 ließ Dov Sikirov 28 gesunde Erwachsene zwischen 17 und 66 Jahren ihre Zeit stoppen. Jeder protokollierte je sechs Toilettengänge auf einem normalen Sitz von 41 bis 42 Zentimetern Höhe, auf einem niedrigeren von 31 bis 32 Zentimetern und in der Hocke. Im Hocken ging es bei allen schneller, und die Teilnehmenden empfanden es als weniger anstrengend.

2019 testete ein Team der Ohio State University einen Toilettenhocker, die Autoren sprechen von einem Gerät zur Veränderung der Körperhaltung beim Stuhlgang. 52 Teilnehmende, im Schnitt 29 Jahre alt, führten vier Wochen lang in Echtzeit Protokoll, die ersten zwei Wochen ohne Hocker, die folgenden zwei mit. Schon zu Beginn hatten 15 der 52 Personen von unvollständiger Entleerung berichtet. Insgesamt kamen 1119 Toilettengänge zusammen. Mit Hocker pressten die Personen weniger und hatten häufiger das Gefühl, vollständig entleert zu sein. Ohne Hocker dauerte ein Gang im Schnitt das 1,25-Fache.

Was die Studien nicht belegen

So eindeutig das klingt, die Grundlage ist dünn. Alle drei Studien sind klein, die Teilnehmenden waren gesunde Freiwillige, und vieles beruht auf Selbstauskünften. Ob Hocken Krankheiten vorbeugt, ist bisher nicht belegt. Ein Hocker ist außerdem keine echte Hocke, er hebt die Knie nur an.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer anhaltende Verdauungsbeschwerden hat, sollte ärztlichen Rat einholen, statt es allein mit Hocker oder Hocke zu versuchen.

Quellen: Sikirov 2003, Dig Dis Sci (PubMed), Modi et al. 2019, J Clin Gastroenterol (PubMed), Sakakibara et al. 2010, Low Urin Tract Symptoms (PubMed)

Aus der Reihe „Warum eigentlich?“: Alltagsrätsel, kurz und belegt erklärt. Recherche und Text mit KI-Unterstützung, jede Aussage mit Quelle. Stimme und Zeichnungen im Video sind KI-erstellt. Fehler entdeckt? redaktion@erftstadt.today

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