Warum haben wir Schluckauf?
Stand: 4. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Hicks. Da ist er wieder, und gleich noch einmal.
Zwei Vorgänge in 35 Millisekunden
Schuld ist das Zwerchfell, der große Atemmuskel unter der Lunge. Es bekommt ein Fehlsignal und zieht sich ruckartig zusammen, du schnappst nach Luft. Nur 35 Millisekunden später schließt sich die Stimmritze und stoppt den Luftstrom. Dieses abrupte Zuklappen erzeugt das Geräusch, dem der Schluckauf seinen Namen verdankt. Das Ganze wiederholt sich alle paar Sekunden.
Zu hastiges Essen und kohlensäurehaltige Getränke kommen als Auslöser infrage, auch Alkohol, Stress und Temperaturwechsel werden genannt. Ein gewöhnlicher Anfall dauert weniger als 30 Minuten. Hält er länger als 48 Stunden an, spricht die Medizin von anhaltendem Schluckauf, ab einem Monat von unstillbarem. Zu den bekannten Ursachen zählt Wikipedia unter anderem Opiate, Kortikosteroide, heftiges Lachen und Schäden am Vagusnerv.
Hicksen vor dem ersten Atemzug
Schon Babys im Mutterleib haben Schluckauf. Frühgeborene verbringen laut Wikipedia rund 2,5 Prozent ihrer Zeit damit, und Kleinkinder hicksen deutlich häufiger als Erwachsene. Wozu das gut ist, weiß bis heute niemand sicher. Eine Vermutung sieht darin ein Atemtraining und einen Schutz vor Fruchtwasser.
Ein Erbe der Kaulquappe?
Eine zweite Spur führt weit zurück in die Stammesgeschichte. Kaulquappen belüften ihre Kiemen mit einem Reflex, der dem Schluckauf ähnelt, und beide Vorgänge lassen sich durch erhöhtes CO2 hemmen. Der französische Forscher Christian Straus vermutete 2003 deshalb eine Verbindung zu den Reflexen von Lungenfischen und Amphibien. Er hält den Schluckauf für ein Überbleibsel unserer Evolution.
Eine andere Hypothese sieht den Ursprung beim Stillen. Der Reflex könnte bei jungen Säugetieren Luft aus dem Magen gepresst haben, damit mehr Milch Platz hat. Wikipedia führt die Milch-Hypothese als eine der führenden Erklärungen. Belegt ist keine von beiden.
68 Jahre am Stück
Den traurigen Rekord hält der Amerikaner Charles Osborne. Er hickste von 1922 bis 1990, geschätzt über 430 Millionen Mal. Ausgelöst wurde es offenbar bei der Arbeit nahe Union in Nebraska, als ein Schwein von rund 350 Pfund beim Schlachten auf ihn stürzte. Er selbst erzählte später, ein Arzt habe ein geplatztes Blutgefäß im Gehirn als Ursache genannt. Vermutet wurde, dass dadurch die Hemmung des Reflexes im Hirnstamm ausfiel. Er trat 1936 bei Ripley's Believe It or Not auf und 1982 in der Show von Johnny Carson. Im Februar 1990 hörte der Schluckauf von selbst auf, 1991 starb Osborne.
Quellen: Wissenschaftsjahr, Wikipedia (Hiccup), Wikipedia (Charles Osborne), Guinness World Records
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