Abtei Brauweiler: Geschichte, Gedenkstätte und Besuch in Pulheim
Stand: 2. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Die Abtei Brauweiler in Pulheim ist ein Ort, den es so kein zweites Mal gibt: ein über 1000 Jahre altes Benediktinerkloster, gestiftet von einer Kaisertochter, das später Arbeitsanstalt, NS-Gefängnis und Haftort von Konrad Adenauer war – und heute Kulturzentrum mit freiem Eintritt in die Gedenkstätte.
Die Abtei Brauweiler in Kürze
| Was | Info |
|---|---|
| Adresse | Ehrenfriedstraße 19, 50259 Pulheim-Brauweiler |
| Gegründet | 1024 (Ankunft der ersten Mönche), Weihe von Kirche und Kloster 1028 |
| Stifter | Pfalzgraf Ezzo und Mathilde, Tochter Kaiser Ottos II. |
| Träger heute | Landschaftsverband Rheinland (LVR) |
| Gedenkstätte | Di. bis So. 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei |
| Öffentliche Führung Gedenkstätte | in der Regel am ersten Samstag im Monat, 14.30 Uhr |
Ein Kloster mit kaiserlichen Wurzeln
Am 14. April 1024 kamen sieben Mönche unter Abt Poppo von Stablo nach Brauweiler. Gestiftet wurde das Kloster von Pfalzgraf Ezzo und seiner Frau Mathilde, einer Tochter Kaiser Ottos II. Am 8. November 1028 weihte der Kölner Erzbischof Pilgrim Kirche und Kloster. Mathilde starb 1025 und wurde im Kreuzgang beigesetzt. Die Abtei zählte bis zu ihrer Aufhebung zu den bedeutendsten Benediktinerklöstern im Rheinland.
Die heutige Abteikirche St. Nikolaus ist bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Sie entstand ab 1136 im romanischen Stil; der mächtige Westturm stammt aus der Zeit um 1138, die östlichen Türme kamen erst im 19. Jahrhundert hinzu. Zur Ausstattung gehören eine Westorgel von 1715 und eine Glocke, die um 1300 gegossen wurde. Neben der Abtei steht ein Maulbeerbaum, der der Überlieferung nach so alt ist wie das Kloster selbst.
Vom Kloster zur Arbeitsanstalt
Nach der französischen Besetzung des Rheinlands wurde die Abtei 1802 aufgehoben, die Kirche wurde Pfarrkirche. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand in den Gebäuden eine Arbeitsanstalt, die sich laut LVR zu einer der größten im Deutschen Reich entwickelte und bis 1969 bestand. Danach war auf dem Gelände bis 1978 eine psychiatrische Klinik untergebracht.
NS-Zeit: Konzentrationslager und Gestapo-Gefängnis
Ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten die Anstalt als frühes Konzentrationslager, danach bis 1945 als Gestapo-Gefängnis für politisch und rassistisch Verfolgte. 1944 war hier auch Konrad Adenauer, der spätere erste Bundeskanzler, rund zwei Monate inhaftiert.
An diese Geschichte erinnert die LVR-Gedenkstätte Brauweiler, die am 9. November 2008 eröffnet wurde. Die Dauerausstellung liegt im Kellergeschoss des sogenannten Frauenhauses; Kern sind zwei original erhaltene Zellenräume. Die Gedenkstätte ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Geschlossen ist sie an Karneval, Karfreitag, Heiligabend, den Weihnachtstagen, Silvester und Neujahr. Öffentliche Führungen gibt es in der Regel am ersten Samstag im Monat um 14.30 Uhr, Treffpunkt ist der Haupteingang; Gruppenführungen sind nach Absprache möglich.
Die Abtei heute
Seit 1954 gehört das Gelände dem LVR. Hier sitzen unter anderem das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum und das Archiv des LVR. Das Kulturzentrum lädt zu Konzerten, Ausstellungen, Theater und Lesungen in historische Räume wie den Kaisersaal und den Äbtesaal ein. Die Abteigebäude lassen sich laut LVR während der Öffnungszeiten kostenlos von außen besichtigen; die Innenräume erschließen sich am besten bei einer Führung.
Ein besonderer Termin im Jahr ist der Nikolausmarkt im Abteipark, den die IG Brauweiler Vereine gemeinsam mit dem LVR-Kulturzentrum traditionell am zweiten Adventswochenende ausrichtet.
Warum Brauweiler einzigartig ist
- Ein Kloster, dessen Gründung direkt auf eine Kaisertochter zurückgeht – mit ihrem Grab vor Ort.
- Über 1000 Jahre Geschichte an einem Ort: Benediktinerabtei, Arbeitsanstalt, NS-Haftstätte, Klinik, Kulturzentrum.
- Haftort eines späteren Bundeskanzlers.
- Eine Gedenkstätte mit original erhaltenen Zellen – bei freiem Eintritt.
Quellen: LVR-Gedenkstätte Brauweiler (Besucherinformationen über ns-gedenkstaetten.de), Landschaftsverband Rheinland, Wikipedia „Abtei Brauweiler“, Tag des offenen Denkmals (Deutsche Stiftung Denkmalschutz), Freundeskreis Abtei Brauweiler e.V., Stadt Pulheim. Stand: Oktober 2026.
